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Mikrotypografie

Unter Mikrotypografie versteht man die Kunst des Details beim Satz mit vorhandenen Schriften (vgl. Kompendium der Mediengestaltung; Böhringer, Bühler, Schleich, S. 199). Hierzu zählen beispielsweise das Ausgleichen von Schriften mittels Laufweitenänderung durch Sperren oder Kerning, sowie die Abstandsänderungen von Wörtern und Zeilen. Ziel der Mikrotypografie ist eine gute Lesbarkeit des Satzes, wobei immer auf einen ausgeglichenen Grauwert geachtet wird, welcher auch durch die Satzarten maßgeblich verändert werden kann.

Schriftfamilien

Schriftfamilie ist der Überbegriff für die verschiedenen Varianten des Schriftbildes einer Schrift. Die Schriftfamilie wird in verschiedene Schriftschnitte unterteilt, welche die unterschiedlichen Strichstärken oder Laufweiten darstellen.

Zum Beispiel wäre "Neue Helvetica" der Name für die Schriftfamilie und "25 Ultra Light" der Name des Schriftschnittes mit einer geringeren Strichstärke. Weiterhin gibt es sogenannte Schriftsippen, welche aus mehreren Schriftfamilien bestehen. Ein bekanntes Beispiel ist die Thesis welche aus vier unterschiedlichen Schriftfamilien (TheSans, TheSerif, TheMix und TheAntiqua) besteht.

Schriftschnitte

Eine Schriftfamilie besteht aus mehreren Schriftschnitten. Ein Schriftschnitt unterscheidet sich durch mehrere Auszeichnungsmerkmale:

  • Schriftstärke (z. B. fett, normal oder mager)
  • Schriftbreite (z. B. breit, normal oder schmal)
  • Schriftlage (z. B. kursiv oder normal)

Diese verschiedene Merkmale können in beliebigen Kombinationen auftreten, so kann es zum Beispiel einen mageren und kursiven Schnitt (siehe Abb. 1, 45 Light Italic) geben.

Schriftsippen

Weiterhin gibt es sogenannte Schriftsippen oder auch als Hybrid-Schriftart bezeichnet, welche aus mehreren Schriftfamilien bestehen. Ein bekanntes Beispiel ist die Thesis welche aus vier unterschiedlichen Schriftfamilien (TheSans, TheSerif, TheMix und TheAntiqua) besteht.

Versalien

Versalien sind Großbuchstaben, die aus dem römischen Alphabet stammen. Sie bestehen aus drei Grundmustern, welche Rechtecke, Dreiecke und Kreise darstellen. Durch ihre einheitliche Größe und ihre strenge Form ist der Versalsatz schwerer zu lesen. Deshalb benötigt eine Aneinanderreihung von Versalien auch eine leichte Sperrung, welche im Folgenden erklärt wird. Ein reiner Versalsatz wirkt oft feierlich und ist daher beispielsweise auf Denkmalschriften und Grabsteinen zu finden.

Punzen sind nicht druckende Innenflächen eines Zeichens. Hierbei kann man zwischen offenen und geschlossenen Punzen unterscheiden.

Zeichenmaße

Nachfolgend werden die verschiedenen Zeichenmaße der Schrift mit Hilfe des Liniensystems in der Typografie genannt. Das Liniensystem besteht aus sechs unterschiedlichen Schriftlinien:

  • Á-Linie ist die Akzentlinie
  • k-Linie wichtig bei Renaissance-Antiquas (legt bei diesen die Minuskeloberlänge fest)
  • H-Linie beschreibt die Majuskel- oder Versalhöhe
  • x-Linie definiert die Minuskelhöhe
  • Schriftlinie oder auch Grundlinie auf welcher die Schrift steht
  • p-Linie ist die Unterlänge der Schrift

Proportionalschriften

Die meisten Schriften sind proportional aufgebaut. Das heißt, ihre Schriftzeichen sind unterschiedlich breit. Die Versalien der Schrift "Frutiger" werden beispielsweise in folgende vier Gruppen unterteilt:

Diese Versaliengruppen bestehen aus annähernd gleichen Punzen. Mit Ausnahme des "I", welches keine Punzen besitzt.

Monospace-Schriften

Monospace-Schriften bestehen aus gleichbreiten Schriftzeichen. Meistens werden Monospace-Schriften für Titel eingesetzt, da sie sich nicht für große Textmengen eignen.

Geviert

Ein Geviert ist eine relative Maßeinheit zur Bemessung des Weißraums in der Mikrotypografie, beispielsweise beim Spationieren, beim Kerning, sowie bei der Bemessung von Wortabständen. Ein Geviert hat eine quadratische Form, da die Dickte eines Gevierts der Höhe des Schriftkegels eines Buchstabens entspricht. Daher definiert ein Geviert in der Vertikalen den Mindestzeilenabstand und in der Horizontalen den Abstand der Wörter und Buchstaben einer Schrift.

Spationieren

Durch Einfügen von Spatien wird eine Vergrößerung des Abstands zwischen zwei Buchstaben verursacht, welche eine Hervorhebung des Textteils bewirken. Auch optische Löcher, welche bei einem Satz entstehen, können durch Spationieren oder Sperren bei weniger offenen Buchstaben ausgeglichen werden, damit sich die Weißräume zwischen den Buchstaben angleichen. Das dicktengleiche Spationieren wird als Sperren bezeichnet. Die Räume zwischen senkrechten Buchstaben werden zuerst angeglichen, da sie den geringsten Abstand haben. Daraufhin werden die übrigen Räume ausgeglichen bis ein einheitliches Graubild erreicht ist. Das Spationieren wird ebenfalls zum Gruppieren von Zahlen verwendet, was beispielsweise bei Telefonnummern oder Kontodaten von großer Bedeutung ist.

Kerning

Kerning, auch Unterschneidung genannt, bewirkt das Gegenteil von Sperren. Mit Hilfe des Kernings werden die Weißräume durch Verringerung angeglichen. Kerning wird hauptsächlich bei einem Satz mit besonders großem Schriftgrad angewendet, da bei diesem die optischen Lücken deutlich erkennbar sind. In Kerningtabellen sind die Laufweiteeinstellungen für kritische Buchstabenpaare festgelegt.

Ligaturen

Ligaturen sind Buchstabenverbindungen, die eine Verschmelzung zweier oder mehrerer Buchstaben zu einer optischen Einheit darstellen, wodurch der Weißraum dezimiert wird.

Blocksatz

Der Blocksatz besteht aus gleich langen Zeilen, welche eine rechteckige Seite und somit eine neutrale Grauwirkung ergeben. Zudem sollte der Blocksatz nicht bei einer Zeilenlänge unter 40 Zeichen verwendet werden und nicht mehr als drei Trennungen hintereinander besitzen. Der Mindestabstand der einzelnen Wörter sollte 80% und der Maximalabstand 140% der Schriftgröße betragen.

Flattersatz

Der Flattersatz kann sowohl linksbündig, als auch rechtsbündig sein und besteht aus gleichen Wortabständen. Die Flattersatzzone sollte dabei maximal 1/5 der Zeilenlänge entsprechen und Treppen sowie optische Löcher sollten im Satz vermieden werden.

Rausatz

Beim Rausatz flattern die Zeilen nicht so stark wie beim Flattersatz und somit ist auch die Flatterzone kleiner. Der Rausatz enthält ungefähr so viel Text in einer Zeile wie der Blocksatz. Zudem sollten maximal vier Trennungen hintereinander verwendet werden.

Grauwert

Der Grauwert stellt den reflektierten beziehungsweise absorbierten Farbdurchschnitt einer Schriftfläche dar. Das heißt, je mehr Schrift sich auf einer Seite befindet, desto höher ist der Grauwert. Der Grauwert ist ein subjektiver Sinneseindruck, was unterschiedliche optimale Grauwerte zur Folge hat. Allgemein gilt, je dunkler und dichter der Grauwert einer Schriftfläche ist, desto unangenehmer und schwerer ist die Lesbarkeit des Textes. Zudem ist zu beachten, dass der Grauwert einer Schriftsatzarbeit für Print nicht am Bildschirm beurteilt werden kann. Um den Grauwert anzupassen, können Laufweite, Strichstärke, Wortabstand, Zeilenlänge und Zeilenabstand verändert und aufeinander abgestimmt werden.

Anatomie der Zeichen

Um bei der Mikrotypografie diverse Gestaltungsmöglichkeiten von Zeichen zu diskutieren, benötigt man einen typografischen Wortschatz. Da sich der anfängliche Buchdruck mit beweglichen Lettern stark an der Kalligraphie orientierte, entstanden dadurch viele Bezeichnungen und Stilmittel für die Zeichenverzierung und grundsätzlich zum Aufbau.

Nachfolgend eine kleine Liste ausgewählter Bezeichnungen für diverse Teile vom Buchstaben.

Quellen

Alexander (Kompendium der visuellen Information und Kommunikation, 2007), 1. Aufl. Springer Berlin 2007.

Böhringer, Bühler, Schlaich (Kompendium Mediengestaltung, Konzeption und Gestaltung für Digital- und Printmedien, 2005), 4. Aufl. Springer-Verlag Berlin Heidelberg 2008.

Bollwage (Typografie kompakt, 2005), 2. Aufl. Springer Berlin 2005.

Bosshard (Typografie Schrift Lesbarkeit, 1996), 1. Aufl. Verlag Niggli AG, Schweiz 1996.

Gorbach (Typografie professionell, 2002), 2. Aufl. Galileo Press GmbH, Bonn 2002.

Typolexikon Das Lexikon der Westeuropäischen Typografie (Herausgeber: Beinert, Wolfgang), Fassung von 2002, URL: http://typolexikon.de/ [Stand: 05. November 2010]

Designtagebuch. (12. Februar 2008). Abgerufen am 09. Dezember 2010 von Designtagebuch: http://www.designtagebuch.de/wiki/anatomie-der-buchstaben/

Gulbins, J., & Kahrmann, C. Mut zur Typographie. Springer Verlag.

typo-info.de. (15. April 2009). Abgerufen am 10. Dezember 2010 von typo-info.de: http://www.typo-info.de/

Typolexikon. (1. März 2009). Abgerufen am 09. Dezember 2010 von Typolexikon: http://www.typolexikon.de/

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  1. 1 Mikrotypografie
  2. 2 Makrotypografie
  3. 3 Schriftanwendung
  4. 4 Faktoren der Lesbarkeit
  5. 5 Typografische Sünden

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