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Schriftgeschichte

30000 v.Chr. Höhlenmalerei

Zu Beginn wurden einfache, bildhafte Darstellungen auf Höhlenwänden als universelles und sprachunterstützendes Medium genutzt.

4000 v.Chr. Sumerische Keilschrift

Die ältesten gefundenen Texte stammen von den Sumerern. Um ihre Tempelabgaben zu verwalten ritzten sie Zeichen in Lehmtäfelchen, weshalb die ersten genutzten Symbole beispielsweise Gefäße oder Getreidearten darstellen. Als durch die Erfindung des Griffels keine Rundungen mehr darstellbar waren, wurden die Schriftzeichen bis auf die heute als „Keilschrift“ bekannten Formen reduziert.

3000 v.Chr. Hieroglyphen

Die Entwicklung der Hieroglyphen führte zu einer gezielteren Nutzung von Bildzeichen. Diese wurden schrittweise kombiniert und vereinfacht, und die Ausdrucksmöglichkeiten dadurch erhöht.

Die voll entwickelte Hieroglyphenschrift besaß ein Zeichen pro Konsonant, welches sowohl eine Tätigkeit als auch einen abstrakten Begriff darstellen konnte.

1300 v.Chr. Phönizische Schrift

Das erste ausgebildete Silbenschriftsystem entstand am Mittelmeer. Die Phönizier nutzten 22 Schriftzeichen, mit denen sie alle Konsonanten ihrer Sprache wiedergeben konnten.

800 v.Chr. Altgriechische Schrift

Die Griechen übernahmen die phönizische Schrift mit leichten Abwandlungen. Indem sie die phönizischen Namen ihrem Sprachklang anpassten wurde zB aus „Aleph“ („Ochse“) das „Alpha“. Oder aus „Beth“ („Haus“) „Beta“. Zwei der vorhanden Zeichen wurden von den Phöniziern als Vokale verwendet und drei neue hinzugefügt.

700 v.Chr. Etruskische Lapidarschrift

Die Altgriechische Schrift wurde von Siedlern auch nach Italien überliefert. Dort entwickelte sie sich zu einer Schrift mit 26 Buchstaben weiter, welche die Grundlage für das lateinische Alphabet bildete.

600 v.Chr. Entstehung des lateinischen Alphabets

Auf Basis des etruskischen Alphabets entwickelten die Römer eine Abwandlung, welche unserem heutigen Alphabet entspricht. 13 der etruskischen Buchstaben wurden unverändert übernommen (a, b, e, h, i, k, m, n, o, t, x, y, z), 8 verändert (c, d, g, l, p, r, s, v), 2 wieder eingeführt (f, q) und 3 dazugeholt (j, u, w).

100 v.Chr. Capitalis monumentalis

Die Capitalis monumentalis war die klassische römische Steinschrift. Sie besaß nur Majuskeln (Großbuchstaben), und ihre Formen orientierten sich deutlich an Quadrat, Kreis und Dreieck. Durch die Meißeltechnik entstanden die sogenannten „Serifen“, feine Haarstriche an den Endungen. Erstmals wurden Wörter und Sätze durch Interpunktion voneinander getrennt, was eine Verbesserung der Lesbarkeit mit sich brachte.

100 n.Chr. Capitalis quadrata

Mit der Capitalis quadrata entwickelte sich eine handschriftliche Schriftvariante der Capitalis monumentalis. Durch senkrechte Federhaltung versuchte man, das gemeißelte Schriftbild nachzuahmen. Diese Schrift erforderte einen enormen Zeitaufwand, weshalb sie nur bei anspruchsvollen und feierlichen Texten Verwendung fand.

400 n.Chr. Römische Unziale

Dies war die erste Schrift mit runden Formen, die damit dem architektonischen Wechsel zu Rundbögen und Kuppelbauten folgte. Am stärksten verändert wurden ursprünglich gerade Buchstaben wie M, N, D und E. Sie wurde als Hauptbuchschrift bis ins 8.Jahrhundert hinein verwendet.

600 n.Chr. Römische Halbunziale

Die Buchstabenformen näherten sich einander an, und es entstand ein dynamischer Schriftfluss. Im Gegensatz zur kalligraphierten Unziale wurde die Halbunziale als Geschäfts- und Bedarfsschrift verwendet.

100 n.Chr. Capitalis rustica

Ebenfalls aus der Capitalis monumentalis entwickelt, stellte die Capitalis rustica die schnell zu schreibende Alternative zur Capitalis quadrata dar.

100 n.Chr. Ältere römische Kursiv

Die römische Kursiv war die am schnellsten zu schreibende Schrift, weshalb sie hauptsächlich im allgemeinen Schriftverkehr genutzt wurde. Sie war nach wie vor eine reine Großbuchstabenschrift.

300 n.Chr. Jüngere römische Kursiv

Durch das Schnellschreiben erfolgte eine starke Ausprägung der Schrift, die zur Ausbildung von Ober- und Unterlängen führte. Die Dreiteilung der Schrift mit langen Schleifen in der oberen und unteren Zone bildet die Grundlage für Minuskeln, also Kleinbuchstaben.

800 n.Chr. Karolingische Minuskel

Durch den Vertrauten von Karl dem Großen, Abt Alkuin, wurde das klösterliche Bildungswesen reformiert. Unter seiner Leitung entstand die karolingische Minuskel. Kennzeichen dieser Schrift waren Rundbögen, ein ausgewogener Schriftduktus sowie unverbundene, gleichmäßig ausgeprägte Minuskeln. Sie bestand aus Kleinbuchstaben, Versalien wurden beispielsweise aus der Quadrata, Rustica oder Unziale übernommen.

1200 n.Chr. Frühgotisch

Durch die Epoche der Romantik begann die karolingische Minuskel sich zu verändern und der typischen Bauweise von wuchtigen Türmen, Rundbögen und Verzierungen mit Ornamenten anzupassen. In der Schriftausprägung der Gotik wurden die Rundungen dann schließlich durch Spitzbögen, scharfe Ecken und Vertikalen abgelöst. Diese Schrift gilt als Vorläufer der gebrochenen Schriften.

1400 n.Chr. Textura

Die Textura gilt als höchstentwickelte kalligraphische Buchschrift der Gotik. Es kam zu einer vollständigen Brechung der Bögen, die an Spitzbögen der gotischen Kathedralarchitektur erinnerten. Der ausgeprägte Stil der Textura führte zu ihrer Verwendung in der 42-zeiligen Bibel von Johannes Gutenberg. Eine besondere Form der Textura ist die „Quadrattextura“ von Gutenberg:

1470 n.Chr. Schwabacher

Die Buchstaben der Schwabacher waren rund und wirkten breiter als bei bisherigen Schriftarten, besonders auffällig bei dem kleinen „o“. Sie galt lange Zeit als populärste Schrift und wurde für den Druck der Lutherbibel eingesetzt. Weitere Schriftarten wie beispielsweise die „Renata“ oder die „Alte Schwabacher“ zählen ebenfalls zur Schwabacher.

1500 n.Chr. Fraktur

Die Frakturschrift blieb bis zum 20. Jahrhundert die vorherrschende Schrift im deutschsprachigen Raum. Sie wirkte elegant und schlank, und wurde in der Reformationsschrift von Martin Luther eingesetzt. Schöpfer der ersten „fractura germanica“ war der Augsburger Kalligraph Leonhard Wagner.

1750 n.Chr. Kanzlei

Die schwierig zu schreibende Fraktur wurde durch die vereinfachte Kanzlei abgelöst, welche eine einfache Schreibschrift war.

1400 n.Chr. Renaissance-Antiqua, Humanistische Minuskel

Grundlage der Renaissance-Antiqua waren die Großbuchstaben der römischen Kapitalis sowie die Kleinbuchstaben der karolingischen Minuskel. Die „Humanistica“, also die Humanistische Minuskel, wurde von Coluccio Salutati entwickelt und von Poccio Bracciolini vollendet. Sie entsprach dem zeitgenössischen Ideal, da die typischen gotischen Elemente entfernt wurden, und avancierte damit zur gängigen Schreibschrift im Vatikan. Sowohl die von den deutschen Typografen Johannes und Wendelin von Speyer entwickelte Venezianische Renaissance-Antiqua (1468), welche eine ausgewogene und deutliche Rundheit besaß, als auch die Französische Renaissance-Antiqua (1530 von Claude Garamond entwickelt) gehören zur Schriftgruppe der Renaissance-Antiqua.

1650 n.Chr. Barock-Antiqua

Das Schriftbild der Barock-Antiqua wurde mit feinen Zierschwüngen versehen und wirkte dadurch leicht und verspielt. Es erfolgte eine immer häufigere Anwendung der verschiedenen Grund- und Haarstriche, was die Barock-Antiqua vergleichbar mit unserer heutigen Kursiv- oder Schreibschrift macht. Dieser Stil wurde in England von John Baskerville sowie in Frankreich von Pierre Simon Fournier für ihre Schriftschnitte verwendet.

1780 n.Chr. Klassizistische Antiqua

Mir dem in Europa entstandenen Wunsch nach Einfachheit und Klarheit entstand mit der Klassizistischen Antiqua eine streng gegliederte Schrift. Sie wies starke Unterschiede der Strichstärken bei Grund- und Haarstrichen auf, die Serifen wurden im Winkel von 90° angesetzt. Der streng symmetrische Aufbau entstand durch die Weiterentwicklung der vorklassizistischen Antiqua durch Giambattista Bodoni.

1850 n.Chr. Italienne, Egyptienne

Der Fund von ägyptischen Kunstwerken in der gekaperten Fregatte „Egyptienne“ und die damit verbundene Begeisterung für Ägypten spiegelte sich auch in der Schriftentwicklung wieder. Die von Caslon optimierte „Ägyptische Antiqua“ fand als „Moderne Antiqua“ enormen Anklang in Deutschland und Frankreich. Es wird zwischen serifenbetonten und serifenlosen Schriften unterschieden. Die serifenbetonte Linear-Antiqua war breit und schwer, das Schriftbild war dunkelgrau bis schwarz. Sie fand hauptsächlich Einsatz als Werbeschrift.

Die serifenlose Linear-Antiqua, auch bekannt als „Grotesk“, entwickelte sich zur modernen Schrift dieser Zeit. Eine der bedeutendsten serifenlosen Schriften war die 1900 von Stanley Morrison entwickelte „Times“. Etwa zur gleichen Zeit bildete sich die Akzidenz-Grotesk heraus, aus welcher heutige Schriften wie „Helvetica“ oder „Univers“ entstanden.

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Quellen

Baines, Phil; Haslam, Andrew: Lust auf Schrift: Basiswissen Typografie, Mainz: Schmidt, 2002

Böhringer, J., Bühler, P., Schlaich P. (2008): Kompendium der Mediengestaltung für Digital- und Printmedien, 4. Auflage Heidelberg: Springer 2008

Frutiger, Adrian (2000): Der Mensch und seine Zeichen, 7. Auflage Wiesbaden: fourier 2000

Hamann, Sabine: Logodesign, 1.Auflage Bonn: mitp-Verlag 2004

Runk, Claudia (2008): Grundkurs Typografie und Layout ñ F¸r Ausbildung und Praxis,2. Akutalisierte Auflage Bonn: Galileo Design, 2008

Waidmann, Stefan: Schrift und Typografie: die Sprache der klassischen Schriften, Sulgen: Niggli, 1999

http://www.designguide.at/geschichte_schrift.html Zugriff: 09.12.2010

http://www.heiligenlexikon.de/BiographienA/Alkuin.htm, Zugriff: 08.12.2010

http://www.layline.de/geschichte/Karl_4.html#hof, Zugriff: 08.12.2010

http://www.typolexikon.de/s/schriftgeschichte.html, Zugriff: 07.12.2010

http://www.webwork-magazin.net/spezial/gdc/die-entstehung-der-schrift Zugriff: 07.12.2010

Infos

Arbeitszimmer

  1. 1 Schriftgeschichte
  2. 2 Schriftklassifikation
  3. 3 Schriftdesigner
  4. 4 Regeln zur Entwicklung von Schriften
  5. 5 Trends der Schriftentwicklung
  6. 6 Bleisatz

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